Eine demokratische Zeitung mit kryptischem Titel, interaktiv!
Florian Feitner und David Querg, Kommunikationsdesignstudenten an der FH-Aachen, haben im Rahmen des Seminars Books and Magazines on Touchscreens im Sommersemester 2011 einen Prototypen für eine interaktive Tageszeitung entwickelt. Genannt haben sie es DIEKONTEXT - Eine demokratische Leseerfahrung.
Die Kontext from Lovinwayne Design on Vimeo.
Ein schön gestaltetes Produkt, die Informationen über das Konzept lassen mich jedoch mit einigen Fragen zurück:
DIEKONTEXT liefert eine neue Leseerfahrung auf der Mikro- und Makro-Ebene. Artikel können unabhängig von Redaktion, Herkunft oder Quelle untereinander vernetzt werden, sodass durch die Verbindungen der einzelnen Themenfelder eine neue Sicht auf den Gesamtzusammenhang offenbart wird.
Wie funktioniert das praktisch? Werden Artikel von Lesern durch Markierungen gewichtet? Wo und wie werden sie zusammengestellt? Gibt es eine Redaktion oder nur einzelne Quellen? Wer erstellt die ganzen Angebote und wie werden sie finanziert? Habe ich mir das vorzustellen wie Flipboard für Zeitungen?
Und warum heißt das Projekt eigentlich DIEKONTEXT?
Ich bin gespannt auf die nächsten Projekte dieser Art im Web.
Update, 15.08.2011: Da meine Kommentarfunktion nicht funktionierte, war David so freundlich und hat mir einige Antworten gemailt, die ich hier vollständig wiedergebe:
1. Flipboard & Redaktion
Es ist ganz klar kein Flipboard. Warum nicht? Flipboard o.ä. Angebote sind nicht redaktionell gepflegt, was dazu führt dass die Qualität der Inhalte nicht gewährleistet werden kann und man teilweise mit Spam oder unrelevanten Informationen zu kämpfen hat. Gute Journalisten wissen sehr wohl zwischen unrelevanten und relevanten Informationen zu unterscheiden. Und genau deshalb steckt hinter dem Konzept auch eine Redaktion welche sich aus Journalisten, Programmierern, Informationsdesignern und Grafiker zusammensetzt. Zugegeben in unserem Konzept handelte es sich um eine recht große Redaktion.2. Leser / NutzerIn den meisten Printzeitungen oder auch den älteren Angeboten gibt es eine klare Hierarchie zwischen Sender & Empfänger. Der Sender (Zeitung, Journalist) steht weit über den Empfänger (Lesern/Nutzern). Das moderne Konsumverhalten von News ist aber ein völlig anderes. Die Jugend recherchiert im Netz, empfängt Neuigkeiten nicht über www.zeit.de, sondern über soziale Dienste, RSS Feeds – speziell auf sie zugeschnitten.In unserem Konzept können sowohl Redakteure als auch Leser im Kontext stehende Artikel/Quellen einfügen. Das kann allgemein zu einem Artikel geschehen oder zu einer speziellen Textstelle. Die Idee dahinter bricht natürlich das bisher in sich geschlossene Geschäftsmodell einer Zeitung völlig auf. Über die Details sowie Rechtsfragen, Machbarkeit oder Finanzierung … kann man sich immer streiten, aber wir glauben dass es hier viele Lösungsansätze gibt und haben davon auch einige in unserer Konzeptarbeit durchgespielt.3. Der Name: DIE KONTEXTWir haben viel über einen anderen, individuelleren Namen nachgedacht aber sind letztendlich zu dem Entschluss gekommen, dass dieser Titel völlig ausreicht um auf den eigtl Inhalt des Konzept hinzuweisen. Es geht darum die Mauern von Verlagen zu durchbrechen und die Offenheit der interaktiven Medien sinnvoll zu nutzen um dem Leser einen Mehrwert zu bieten.Wenn mich als Leser ein Thema wie die Finanzkrise interessiert. Lese ich nicht nur die Zeit … ich lese Wikipedia Einträge, ich lese die Süddeutsche, manch einer auch die Bild. Wir haben in unserem Konzept versucht diese Art der "Recherche" komfortabel zu gestalten.
Vielen Dank an David für die ausführliche Erwiderung. Bleibt allerdings noch die Sache mit dem bestimmten Artikel "DIE..." ;-)
